Teil-Transkript der Sendung Verzweiflung in der Anarchie, gesendet 2. September 2005. (Eine Zusammenfassung des Inhalts ist hier zu finden. Eine englische Übersetzung und die Diskussion dazu sind hier und hier zu finden.)
[Ungefähr ein Drittel der Sendung ist schon gelaufen. Bisher handelt alles von New Orleans.]

Reporter: Und so kam US-Präsident Bush tatsächlich heute in das Katastrophen-Gebiet. Er sprach mit Flutopfern und sah sich eine Versorgungsstation an; wohlgemerkt eine der wenigen, die es gibt.

Bush (Übersetzung): Wir werden die Lage in den Griff bekommen; wir werden Wasser und Lebensmittel bringen. Ich war heute mit dem Roten Kreuz und der Heilsarmee unterwegs, und die Menschen werden die grosse Anteilnahme Amerikas spüren.

[noch ein Abschnitt über New Orleans--nicht über Bushs Besuch--weggelassen]

Moderator: Präsident Bush hat bei seiner Tour durch das Katastrophengebiet auch der fast völlig verwüsteten Kleinstadt Biloxi eine Stippvisite abgestattet. Claudia Rüggeberg in Biloxi, wie haben die Bürger denn auf den Besuch des Präsidenten reagiert?

CR: Sehr unterschiedlich. Wir haben nach diesem Besuch mit Leuten gesprochen hier: eine Frau meinte, ein solcher symbolischer Besuch sei besser als gar keiner, und es sei gut, dass der Präsident sich überhaupt hier zeige und sich die Situation mal anschaue. Andere waren Ćeher verzweifelt. Eine Frau ist in Tränen ausgebrochen und hat voller Wut gesagt, der Präsident sollte nicht hierher kommen, sondern er solle endlich mal dafür sorgen, dass hier Hilfe kommt. Die ganzen Leute, seine ganzen Entourage, diese Autos, sie sollen mit Hilfsgütern beladen sein und nicht mit Bodyguards, und er solle hier nicht den barmherzigen Samariter spielen und ein solch inszenierter Besuch würde nicht helfen. Tatsächlich war es so, dass heute morgen hier plötzlich Hilfstrupps kamen, Leute die den Schutt weggeräumt haben, die die Häuser nach Leichen durchsucht haben, und zwar ausschliesslich entlang der Route des Präsidenten. Vor zwei Stunden etwa ist der Pr äsident dann hier aus Biloxi wieder abgereist, und mit ihm die ganzen Hilfstrupps.

Moderator: Der Präsident Bush hat ja schnelle Hilfe versprochen. Ist denn davon bei Ihnen sonst auch noch etwas zu spüren gewesen? Gibt es zum Beispiel sauberes Wasser und Lebensmittel?

CR: Es gibt hier überhaupt nichts. In Biloxi liegen die Trümmer, bis auf das, was diese Hilfstrupps heute morgen beiseite geräumt haben, liegen die Trümmer auf der Strasse wie genau wie nach dem Sturm vor einigen Tagen, es gibt keine vernünftige Versorgung; es gibt eine medizinische Noteinrichtung, ansonsten nichts. Es hängt über der ganzen Stadt Verwesungsgeruch. In den Gebäuden liegen Leichen, die nicht geborgen werden. Es liegt hier alles in Trümmern, und die Hilfe kommt -- nach dem, was wir hier beobachten können, und was andere auch aus anderen Städten sagen -- nicht an.